Der Fall Schneider-Schwerte

Der Germanist Prof. Dr. Hans Schwerte (1909 oder 1910 – 1999), ein linksliberaler Mann und Innovator in seinem Fach, war seit 1965 Prof. an der RWTH Aachen und von 1970 bis 1973 deren Rektor. 1978 wurde er emeritiert.

Seit den 1980er Jahren wurde an der RWTH Aachen über eine mögliche Doppel-Identität Hans Schwertes geraunt: Er sei bis 1945 unter anderem Namen SS-Mann gewesen.

Ein Journalistenteam aus den Nie­derlanden deckte den Fall schließlich auf und brachte darüber am 28.4.1995 einen Bericht in der Fernsehsendung „Brandpunt“: Der angesehene Germanistikprofessor Hans Schwerte sei bis 1945 als Hans Schneider Mitglied des „Persönlichen Stabes“ von Himmler und hoher Mitarbeiter im „Ahnenerbe“ der SS gewesen, zuletzt mit dem Rang eines Haupt­sturmführers. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit habe in den okkupierten Niederlanden gelegen. Einer der Hauptvorwürfe ge­gen ihn lautet, er sei daran beteiligt gewesen, medizinische Geräte von der Universität Leiden in das Konzentrationslager Dachau zu transportieren, wo sie zu verbrecherischen Men­schen-Experimenten genutzt wurden.

Das Wissenschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen, damals geleitet von Frau Ministerin Anke Brunn, gab ein historisches Fachgutachten über den Fall in Auftrag. Leitfragen:

1)      Was hatte Schneider / Schwerte in der NS-Zeit getan?

2)      Wie konnte der Namenswechsel von Statten gehen?

3)      Pech-und-Schwefel: Gab es an der RWTH Aachen eine Art braunen Sumpf?

Daran schloss sich als Viertes eine Frage an, die vielfach gestellt wird, aber in historischen Gutachten selten oder nie exakt beantwortet werden kann:

4)      Wer Wusste Wann bescheid?

Ich habe dieses Gutachten verfasst und wusste dabei eine Historische Kommission hinter mir, die mich beriet, mir den Zugang zu Archivalien erleichterte, mit der ich Thesen und Überlegungen diskutierte und die  – dies nicht zuletzt –  als Schutzmantelmadonna fungierte. Denn an öffentlichen Angriffen und Polemiken, auch aus dem Ministerium, hatte es nicht gefehlt. Die Kommission: Prof. Dr. Ottfried Dascher (Direktor Nordrhein-Westfälisches Hauptstaatsarchiv Düssedorf), Prof. Dr. Friedrich P. Kahlenberg (Direktor  Bundesarchiv), Prof. Dr. Horst Möller (Direktor Institut für Zeitgeschichte).

Zuweilen wurde bedauert, dass dieses Gutachten nicht veröffentlicht worden ist. Hermit wird es veröffentlicht:

Schneider-Schwerte-Gutachten für die Landesregierung NRW Unveröffentlicht

Im Oktober 1996 führten der Verf. sowie ein Kommissionsmitglied zwei Gespräche mit dem Ehepaar Schwerte:

mit dem Ehepaar Schwerte 8. u. 9. Oktober 1996 Unveröffentlicht

Langfassung des Schneider-Schwerte-Beitrages (in:…):

Der Fall Schneider – Schwerte. Karriere eines Spagatakteurs. Langfassung

Nach zehn Jahren war es Zeit für einen Blick auf die inzwischen entstandene Schneider-Schwerte Industrie:

Schwerte zehn Jahre danach FAZ 23. April 2005 Langfassung mit Quellenangaben

(An der RWTH Aachen gab es eine Schlammschlacht, peinlich und teils unappetitlich, über die hier aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht berichtet werden kann. Ebenfalls aus Datenschutzgründen werden die Notizen eines Gespräches mit Prof. Ernst Nolte über den Fall Schneider-Schwerte nicht präsentiert.)